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Wanderfahrt 2015 auf der Havel

veröffentlicht um 14.01.2015, 14:47 von Ralf Pappe   [ aktualisiert 22.07.2015, 05:46 von Christian Söhngen ]

Märkische Heide, märkischer Sand

 

Von letzterem hatten wir dann auf unserer Wanderfahrt auf der Havel von Berlin bis Havelberg reichlich in Schuhen, Rollbahnen und Zelten. Aber märkischer Sand ist  des "Märkers" Freunde.

 

Am Freitag, 12. Juni, starteten wir von Essen aus per IC nach Berlin. Der Bootstransport war schon am Morgen vorgefahren. Das Bootshaus der Schulen in Berlin liegt direkt am Tegeler See, tolle Aussicht, und sogar Betten anstatt Schlafsack und Isomatte.

 

Am nächsten Tag durfte natürlich ein Besuch in Berlin nicht fehlen. Brandenburger Tor, Regierungsviertel und Alex standen auf dem Programm. Das nahende Gewitter veranlasste uns dazu, früh nach Tegel zurückzukehren. Während das Unwetter oben wütete, saßen wir in der U-Bahn. In Tegel angekommen schien wieder die Sonne.

 

Am nächsten Tag stiegen wir dann in die Ruderboote. Zunächst durchquerten wir die Bundeshauptstadt einmal vom Norden zum Süden, weiter durch die Glienicker Brücke bis Potsdam. Das ein oder andere Mal waren wir dicht davor, irgendwo falsch abzubiegen. Das Gewässernetz in Berlin ist weit verzweigt. Aber schließlich landeten alle Boote beim RC Potsdam an.

 

Nachdem auf der Fahrt durch Berlin hier und da noch Industrie zu sehen war, wurde die weitere Strecke immer schöner. Über die Potsdamer Havel ging es zunächst bis Werder, der „Blütenstadt“. Da wo wir zur Mittagspause anlegten, durfte man eigentlich nicht picknicken. Aber das Ordnungsamt war gnädig, und wir kamen ohne Strafe davon. Die Nacht verbrachten wir im Strandbad von Ketzin, das auch über einen Biwakplatz verfügt. Badevergnügen bis zu Sonnenuntergang bei sonnigem Wetter, da durfte dann mal die Dusche fehlen. Und ein Nachfahre von dem Fuchs, der schon bei einer der ersten Wanderfahrten vor 20 Jahren den Zeltplatz unsicher machte, gab es auch: ihm schmeckten dann die Süßigkeiten, die offen in der Nacht herumlagen.

 


Am nächsten Tag wurde es auf der Havel dann voller. Die Berufsschifffahrt mischte bis zu unserer Mittagspause in Brandenburg mit. Nach der Pause nahmen wir den Umweg über die Niedere Havel, 2 km länger, aber dafür ohne große Pötte und viel schöner als die Alternative Kanal. Das letzte Stück ging es dann über den Plauer See, riesig im Vergleich zum heimischen Baldeneysee. An seinem Ende auch wieder Mal eine Gelegenheit, sich zu verfahren. Geradeaus in den Elbe-Havel-Kanal anstatt in den etwas verdeckt gelegenen Abzweig der  Havel. Die Gelegenheit haben auch 2 Boote genutzt, es aber auch schnell bemerkt. Unterkunft beim dortigen Ruderverein, Vorräte an Süßigkeiten auffüllen beim Supermarkt über die Brücke.

 

Die Etappe am nächsten Tag war kurz, sodass wir uns entschieden, direkt bis Premnitz durchzufahren. Der dortige Kanuverein war im Umbau. „Wir haben nur eine Toilette“ hieß es im Vorfeld. Das habe ich wohl etwas anders verstanden – 1 statt „eine“. Und sonst nichts.  Dafür war die Aufnahme umso freundlicher.

 

Ungeduscht ging es dann am nächsten Tag weiter. Erste Station war der Ruderverein in Rathenow. Hier legten wir unsere Mittagspause ein. In Rathenow hatte am Sonntag zuvor ein schwerer Sturm gewütet. Es gab Tote und die hier stattfindende BUGA war einige Tage geschlossen. Wir haben von all dem nichts direkt mitgekriegt. Glück gehabt! Die Nacht verbrachten wir auf einem kleinen Zeltplatz in Grütz. Die große Gruppe, die dort plötzlich lagerte, war wohl eine kleine Sensation.  Jedes vorbeifahrende Auto fuhr erst einmal langsamer, und die Insassen schauten, was da wohl los war.

 

Die letzte Etappe führte uns über den Wasserwanderrastplatz Strodehne bis nach Havelberg. Hier endet die Havel und auch unsere Wanderfahrt. Auf der Strecke hatten wir extremen Gegenwind, jeder Ruderkilometer musste mühsam erkämpft werden. Angekommen bei der Ruderriege in Havelberg wurden die Boote abgeriggert und - so gut es geht - der märkische Sand entfernt. Traditionell stand am letzten Abend ein Restaurantbesuch auf dem Programm. Mal nicht kochen und spülen.

 

Das Wasser der Havel fließt mit der Elbe in Richtung Nordsee, wir fuhren am nächsten Tag im Bus und Bahn in die andere Richtung zurück nach Essen.

 

Den „roten Adler“ haben wir nicht gesehen. Entweder stieg er zu hoch, oder es war ihm schlicht und ergreifend zu kalt. Wir haben während des Ruderns nur wenige Tropfen Regen abbekommen, die Sonne hat häufig geschienen. Aber es wehte auch häufig ein kalter (Gegen)wind, und die Temperaturen in der Nacht waren im einstelligen Bereich. Nichts desto trotz war es eine tolle Fahrt und eine wunderschöne Fluss- und Seenlandschaft. Ein ganz anderer Charakter als auf dem Main im letzten Jahr. Und wenn dann doch noch etwas märkischer Sand in den Booten übersehen haben, wird dieser uns an eine tolle Zeit erinnern und schon mal als Grundstock für den geplanten Umbau dienen.

 

 

Christian Söhngen

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